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Erfindungen: Rückblickend so naheliegend
by Clementine Kuckei 1. Juli 2008



Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Originalität ein unerforschtes Land ist. Da kommt man nicht mit dem Taxi hin. Man muss zu Fuß gehen und ein Boot auf dem Rücken mitschleppen. Es scheint, dass der Erfinder des Rollkoffers gerade auf dem Weg dorthin war. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es von der Erfindung des Rades bis zu den Rollen unter einem Koffer 6000 Jahre gedauert hat. Erst 1989 war es der Pilot Bobby Roth leid, sein Gepäck hin und her zu tragen und bastelte sich in Heimarbeit ein paar Rollen unter seinen Koffer. Bewunderung und Neid waren ihm sicher. Er gründete gerade mal vor 19 Jahren seine Firma Travelpro, die ihn nicht nur reich gemacht, sondern auch dazu geführt hat, dass die ganze Menschheit ihr Reiseverhalten veränderte. Wir nehmen einfach mehr mit, als wir brauchen, unsere Wirbelsäulen müssen ja nicht mehr leiden.

Zu oft machen wir uns auf die Suche nach Innovationen und kreativen Lösungen, die die Welt verändern sollen. Dabei ist eine solche Erfindung nur die gekonnte Verschmelzung, von dem was man in den Händen hält, mit dem, was man in der anderen Ecke des Schuppens findet. Neu ist die Lösung, die dabei herauskommt. Spanien ist Europameister geworden, die - wie alle - mit elf Spielern um einen Ball kämpfen. Nur die Art des Zusammenspiels war anders. Originell, einzigartig und doch so naheliegend. Rückblickend.

1 Comment

Hafenarbeiter

Es ist tatsächlich bezeichnend für unser Wesen und unsere Einstellung zu den Dingen,derart lange für das Umsetzen ein und derselben Idee zu brauchen. Das alte Ärgernis: Wir wollen einen Behälter nicht länger schleppen oder über den Boden schleifen. Die alte Lösung: Das Rad druntersetzen. Anscheinend leiden wir unter der betäubenden Wirkung des Vertrauten, einem Hang zum immergleichen Handeln, nur weil es sich scheinbar bewährt hat. Man hat es uns so vorgemacht und wir kopieren gedankenlos, ohne Fragen zu stellen. Ich hatte einen Englischlehrer, der klassische Fall eines ungepflegten Unsympathen mit der Attitüde des Oberstudienrates von Gottes Gnaden, dem in all den endlosen Jahren nur ein einziger bemerkenswerter Satz über die Lippen gekommen ist:"Wenn man seinen Intellekt einzusetzen weiß, kann man auch die anspruchsloseste Tätigkeit noch vereinfachen und sich den Tag leichter machen." Er hat uns diese Erkenntnis bewusst mitgegeben, damit wir uns stets motivieren, Abläufe darauf zu prüfen, ob sie sich u. U. noch optimieren lassen. Sein eigentlicher Verdienst liegt allerdings woanders. Noch immer springe ich zwei, dreimal im Monat hochmotiviert aus dem Bett und denke: Das wird ein geiler Tag, heute ist keine Schule! Man kann auch in scheinbar vollendeten Dingen noch Fragen finden. Dem Physiker Richard Feynman wurde von einem Bekannten mal vorgeworfen, daß der Naturwissenschaftler, der eine Blume zerpflückt und untersucht, ganz einfach ihre Schönheit zerstöre und übersehe. Feynman entgegnete wie folgt: "Die Schönheit, die sie für Dich hat, entgeht mir keineswegs. Aber ich sehe auch eine tiefere Schönheit, die sich anderen nicht ohne weiteres erschließt. Ich sehe die komplizierten Wechselbeziehungen in der Blüte. Die ist rot gefärbt. Sie hat eine Farbe-bedeutet das, daß sie sich in der Evolution entwickelt hat um Insekten anzulocken? Damit haben wir eine neue Frage. Können Insekten sehen? Haben sie ein Gespür für Ästhetik? Und so weiter. Ich verstehe nicht, wie eine Blüte an Schönheit verlieren soll, wenn wir sie untersuchen. Es kommt immer nur Schönheit hinzu." So stecken Fragen hinter allem Dingen, die uns fertig erscheinen, die Antworten wert sind. Wenn die Blume mit der roten Blüte sich Feynmans Fragen stellt kommt sie sicher zu dem Schluß, daß sie sich verändern muß. Spätestens wenn es keine rotsehenden Insekten mehr gibt braucht sie eine Lösung, die sie auch für Andere interessant macht.


Marcus Maaß 5. Januar 2009

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